"Ich danke Gott und den Menschen, denn wer den Menschen nicht dankt, dankt auch Gott nicht."

Der 24. des Monats August wird nie vergessen. Das war vor zwei Jahren, nachdem ich meine Taschen gepackt und beschlossen hatte, mein Land auf unbestimmte Zeit zu verlassen. Vier Jahre waren vergangen, in denen ich versucht hatte, in einem vom Krieg verwüsteten Land zu leben. Ein sinnloser Krieg! Ausschlaggebend war die Nachricht, dass meine Frau schwanger ist. Dann waren meine Gedanken nicht mit mir selbst oder meiner Frau allein beschäftigt, sondern sie waren voll von meinen Kindern und ihrer Zukunft. Ich habe beschlossen zu gehen. Wohin? Nur wenige Länder erlaubten Syrern den Zutritt. Warum Europa? Warum Deutschland? Es ist ein Land, das dir die Grundelemente des Lebens gibt. Ein Land, in dem es Unterstützung gibt, eine Arbeit zu finden und man somit nicht von der Gesellschaft abhängig ist. Ein Land, in dem jeder gleiche Rechte und Pflichten hat. Kurz gesagt ein Land, das dem Begriff soziale Gerechtigkeit einen Sinn gibt.

Zurück zum August 2015: Ich verließ mein Land und ließ meine schwangere Frau (im siebten Monat) zurück. Es war unmöglich für sie, mit mir auf einer so gefährlichen Reise zu reisen. Ich verließ ursprünglich mein Land für sie und für meine Kinder und ich war sicher, die Trennung wird nicht lange Zeit dauern.
Meine Reise nach Deutschland dauerte 19 Tage. Deutschland hatte zu der Zeit eine der größten Asylwellen in der Geschichte. Fast eine Million Flüchtlinge trafen in diesem Jahr in Deutschland ein. Wir dachten, dass die Verfahren für die Gewährung von Wohnsitz und Familienzusammenführung nicht mehr als drei Monate dauern würden. Doch es hat mehr als ein Jahr gedauert, und dann kam noch das Warten auf einen Termin bei der deutschen Botschaft in Beirut. In der Tat war die Situation sehr frustrierend.

Meine Frau hat unsere Zwillinge geboren´, nachdem ich sechs Wochen zuvor nach Deutschland gekommen war. Wir haben immer Kontakt, per WhatsApp oder Skype. Aber die Tage vergehen langsam, und ich ertrage es nicht mehr zu warten.

Ein Jahr und zwei Monate später erhielt ich den Flüchtlingsstatus und ich konnte das Familienvereinigungsverfahren beginnen. Aber wie ich schon sagte, ich musste auf einen Termin in der deutschen Botschaft in Beirut warten, das sollte noch einmal fast ein Jahr dauern. Also habe ich alle Möglichkeiten versucht, eine andere deutsche Botschaft in einem Land zu finden, in das meine Familie legal reisen könnte. Aber auch in den anderen Botschaften gab es lange Wartezeiten. Die beste Lösung war, dass meine Familie in der Türkei das Visum beantragt.
Aber die Türkei hat den Eintritt der Syrer gesetzlich blockiert. Deshalb war nur eine illegale Einreise möglich. Trotz großer Angst und Sorge vor dem Grenzübertritt entschloss sich meine Frau zu gehen. Es war nicht einfach, aber es ging gut, weil es Verwandte und Bekannte in diesem Grenzgebiet gab. Nach eineinhalb Monaten in der Türkei erhielt meine Familie endlich ein Visum für Deutschland. Nach einer Trennungszeit von einem Jahr und neun Monaten haben meine Frau und ich uns dann im Mai 2017 wiedergetroffen, und ich habe meinen Sohn und meine Tochter das erste Mal richtig gesehen.

Ich möchte meine Geschichte mit Ihnen teilen, meine lieben Leserinnen und Leser. Es ist eine kurze Zusammenfassung meiner Geschichte, mit der ich Ihnen einen Teil des Leidens der Syrer und all den damit verbundenen Komponenten zu vermitteln möchte: Klein oder groß, männlich oder weiblich, verheiratet oder allein, ich versichere Ihnen, dass jeder Syrer eine besondere Geschichte hat. Jetzt lebe ich mit meiner Familie hier in Rahden und ich weiß nicht, was das Schicksal für mich bereit hält.

Ich danke Gott vor allem, dass er mir die Fähigkeit und Geduld gab, die Schwierigkeiten zu überwinden, die ich erlebt habe. Der Prophet Mohammad sagt: „Diejenigen, die den Menschen nicht danken, danken Gott nicht“. Also danke ich allen, die eine Rolle bei der Wiedervereinigung meiner Familie hatten. Ich danke auch dem Redaktionsteam dieser Zeitung, mir die Gelegenheit zu geben, diesen Artikel zu schreiben. Liebe Leserinnen und Leser, vielen Dank für das Lesen.

Mohammad Bassel Tabba, 30 Jahre, Mathematiklehrer, z. Zt. Student im Qualifikationskurs für Lehrkräfte, Uni Bielefeld