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Neue Westfälische: Wenn über Wochen Karfreitag ist

Text und Bilder: Jörn Spreen-Ledebur

Pfarrer Udo Schulte sitzt allein in St. Johannis in Rahden. Gottesdienste sind derzeit verboten und das gilt auch an Ostern. - © Joern Spreen-Ledebur

An Karfreitag gedenken die Christen des Sterbens Jesu Christi - nach einer stillen Karwoche. In den Gottesdiensten wird zwar gesungen, aber wie in Rahden ohne Instrumente. Auch die Glocken schweigen. In St. Johannis läuten sie nur um 15 Uhr zur Sterbestunde Christi. Dann erklingt das Totengeläut. An Ostern feiern die Christen dann freudig die Auferstehung Christi. Diese hohen Feiertage begehen Christen weltweit in Gemeinschaft. Eigentlich. In diesem Jahr aber ist wegen der Corona-Pandemie alles anders. Derzeit sind alle Veranstaltungen verboten - und das gilt auch für Gottesdienste. Wie das ist für eine evangelische Kirchengemeinde? Wie ein Seelsorger diese Situation wahrnimmt, das berichtet der Rahdener Pfarrer Udo Schulte im Gespräch mit der Neuen Westfälischen.

Abendliches Glockengeläut als ökumenische Initiative

Die Glocken von St. Johannis in Rahden läuten immer um 12 Uhr Mittag. In den vergangenen Wochen betete zu dieser Zeit immer eine Pfarrerin oder ein Pfarrer für die Menschen in dieser Krisensituation. Die Gläubigen waren eingeladen, Zuhause das Vaterunser mitzubeten. Neu war in den vergangenen Wochen das Geläut um 19.30 Uhr - eine ökumenische Initiative, merkt Pfarrer Udo Schulte an. Schulte ist zu dieser Zeit für das Fürbittengebet und das Vaterunser in der Kirche. "Es ist wichtig, das Gebet in der Kirche aufrechtzuerhalten", sagt er.

Jeden Abend hat Pfarrer Udo Schulte vor dem Altar in St. Johannis in Rahden Fürbitte gehalten und das Vaterunser gebetet. | © Joern Spreen-Ledebur

Posaunenbläser spielen den Choral zum Sonntag

Die Gläubigen sind eingeladen, daheim nach dem Geläut mitzubeten. So sind sie zwar räumlich getrennt, im Glauben aber miteinander verbunden und einander nah. Vor diesem Hintergrund haben an den vergangenen Sonntagen auch Mitglieder der Posaunenchöre in vielen Gemeinden immer um 10 Uhr den jeweiligen Choral für den Sonntag gespielt. "So ist das auch für Ostern gedacht", merkt Schulte an. Zudem haben alle Pfarrerinnen und Pfarrer aus der Gemeinde eine Oster-Andacht konzipiert und dabei alle Predigtstätten der Rahdener Gemeinde berücksichtigt. Schulte: "Wir wollten gern etwas Gemeinsames machen." Das ist ab dem Ostermorgen auch auf der Homepage der Kirchengemeinde zu sehen.

"Es ist etwas Verbindendes"

Aus der Ferne werde gemeinsam Gottesdienst gefeiert, meint der Seelsorger. "Es ist etwas Verbindendes, auch wenn man sich zurzeit nicht persönlich treffen kann." Das Osterfest 2020 ist wegen der Corona-bedingten Umstände außergewöhnlich. "So etwas hat es selbst in Katastrophen-Situationen und in Kriegszeiten nicht gegeben", erinnert Schulte an das derzeit geltende Verbot für Gottesdienste. Selbst in Verfolgungszeiten habe es das nicht gegeben. In jenen Zeiten seien zwar Gottesdienste verboten gewesen, die christlichen Gemeinden aber hätten sich dagegen gestemmt.

"Wer sich gegen Maßnahmen des Staates stemmt, ist nicht ganz bei Troste"

Das ist derzeit anders. "Wer sich gegen die Maßnahmen des Staates stemmt, der ist nicht ganz bei Trost", wird Udo Schulte deutlich. Es gehe heute nicht um Verfolgung, sondern um den Schutz des Lebens. Dankbar könne man sein, in einem Staat zu leben, "in dem sich die politisch Verantwortlichen mit Sorgfalt und Engagement für das Wohl der Menschen einsetzen". Und bei aller Kritik am Gesundheitswesen sei es doch jetzt sehr beruhigend, dass in Deutschland so umsichtig verfahren werde. Alle in Medizin und Pflege tätigen Menschen erledigten ihren Job mit großem Engagement und mit Verantwortung.

"Das Leben ist in manchen Dingen wie eingefroren"

Wie nun die Aussichten auf ein ganz stilles Osterfest sind? "Das ist so eigenartig, dass dafür die Begriffe fehlen", räumt Schulte ein. "Das Leben ist in manchen Dingen wie eingefroren." Es sei fast so wie ein Zustand des Schlafens - aber nicht am Sonntagmorgen, sondern 24 Stunden, sieben Tage die Woche. Schulte: "Das ist ja so gewollt." Es gebe die stillen Feiertage wie Karfreitag. "Ich nehme das wie Karfreitag über Wochen wahr. Das ist so mein Gefühl."

Reaktionen aus der Gemeinde gebe es derzeit nicht viele, man arrangiere sich mit der Lage. Sitzungen des Presbyteriums gebe es derzeit als Videokonferenz und dafür seien Regelungen geändert worden, um rechtskräftige Beschlüsse fassen zu können. Das funktioniere und man lerne, sich auf das Wesentliche zu beschränken.

Welche Hoffnungen der Pfarrer hat

Nach der Wahl des Presbyteriums gab es keinen Gottesdienst zur Verabschiedung und Einführung von Presbytern. Das erfolgte schriftlich - erstmals. Das sei notwendig gewesen, damit die Gemeinde handlungsfähig bleibe und Presbyterien ihren Dienst aufnehmen könnten, sagt Schulte.

Auch die Rahdener Gemeinde hofft, bald wieder Gottesdienst feiern zu können. Wie und wann das aber möglich ist, das wisse derzeit niemand, so der Seelsorger. Er vermute, dass es im Mai soweit sein könnte - aber dann noch nicht in der Form wie man das kenne. Deshalb seien die Konfirmationen auch in den September und Oktober verschoben worden - "in der Hoffnung, dass es dann halbwegs normal möglich ist".

Warum Trauerfeiern jetzt besonders hart sind

Taufen und Hochzeiten seien verschoben, Trauerfeiern fänden nur im kleinsten Kreis und nur draußen auf dem Friedhof statt, berichtet Udo Schulte. Das sei besonders schwer. "Trauer hat mit dem Bedürfnis nach Nähe und Trost zu tun. Das geht mir auch so. Ich möchte den Menschen nah sein, kann es aber zumindest körperlich nicht."

Was wird das für ein Tag, an dem es wieder normal ist? "Wann ist es wieder normal", fragt Schulte zurück. "Nach Corona wird es nicht mehr so sein wie vorher. Zumindest in Zeiträumen von Monaten und Jahren." Es werde sich etwas verändern. Solange man mit einer Krankheit nicht umgehen könne, bleibe eine Verunsicherung. Im Geschäft solle man Abstand halten. Im Gottesdienst aber werde gemeinschaftlich gefeiert. Beim Segen oder beim Abendmahl - überall gebe es körperliche Nähe.

Welches Lied der Pfarrer nach der Krise anstimmen würde

Wenn der Spuk vorbei ist - welches Lied würde Udo Schulte anstimmen? Der Pfarrer überlegt einen Moment. Bei so einschneidenden Situationen gebe es solche Lieder. Er überlegt weiter, dann erinnert er an die Bilder, die die Rückkehr der letzten deutschen Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion zeigen. Es gab einen Gottesdienst, bei dem die Männer "Nun danket alle Gott" anstimmten. Da kämen ihm die Tränen, wenn er das sehe, merkt Schulte an. In der zweiten Strophe des Liedes werde die Erlösung aus der Not thematisiert.

Wenn er überhaupt etwas Positives mit der jetzigen Lage in Verbindung bringen könne, dann sei das der Umstand, dass der Mensch seine Grenzen erfahre, "die Grenze von Leben und Tod", sagt Pfarrer Udo Schulte. "Wir sind nicht die Herren des Lebens und der Naturgewalten."

"Mehr Respekt vor der Schöpfung haben"

Überhaupt, wie der Mensch mit der Schöpfung umgehe... "Wenn diese Frage uns neuen Respekt vor der Schöpfung und vor dem Leben gibt, dann hätte das mit Buße und Umkehr zu tun." Vermeintlich Selbstverständliches sei nicht selbstverständlich. Wenn man das erkenne, dann habe die jetzige Lage auch eine heilsame Funktion, betont Schulte. Er bete dafür, dass "wir aus dieser Zeit gestärkt hervorgehen und mehr Respekt für das Leben als Geschenk Gottes haben."

Text und Fotos: Jörn Spreen-Ledebur, Neue Westfälische am 11. April 2020

24.10.2020: Spruch des Tages

Terminkalender

29.10.2020: 18:00 - 18:30 Andacht nach dem Glockenläuten

St. Johannis-Kirche

31.10.2020: 20:00 Festgottesdienst zum Reformationstag

St. Johannis-Kirche

01.11.2020: 10:00 Regionaler Gottesdienst

Immanuelkirche Pr. Ströhen

05.11.2020: 18:00 - 18:30 Andacht nach dem Glockenläuten

St. Johannis-Kirche

10.11.2020: 19:30 Bibellesegruppe

Gemeindehaus Rahden

12.11.2020: 18:00 - 18:30 Andacht nach dem Glockenläuten

St. Johannis-Kirche

15.11.2020: Volkstrauertag

18.11.2020: 18:00 Gottesdienst zum Buß- und Bettag

St. Johannis-Kirche

22.11.2020: Ewigkeitssonntag

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