Der Ziegenbock in der Krippe

Text von Pfarrer i.R. Dr. Werner Kreft

Angeregt durch einen Frauenhilfsausflug zur Weihnachtskrippenausstellung in Telgte kam der Wunsch auf, auch eine Krippe in der Rahdener St. Johannis -Kirche aufzustellen. Die Frauen zogen die Arbeiten von drei Figurenschnitzern in die engere Wahl. Im September 1989 besuchten Frau Sonja Wiebke, meine Frau und ich die drei Künstler im Münsterland. Unsere Wahl fiel auf Herrn Klocke in Sassenberg. Am 5. Dezember 1990 haben wir die Figuren nach einjähriger Schnitzarbeit abgeholt. Heiligabend konnte die Gemeinde das erste Mal die Personen und Tiere im Stall von Bethlehem bestaunen. Eine einzelne sehr große Spende hatte das ermöglicht.
Das Krippenensemble besteht aus dem Jesuskind, Maria und Joseph, 3 Hirten, 3 Weisen, einen Kameltreiber und 2 Kamele, Ochs und Esel und 6 Schafe. Im Stall aber steht 1 Ziege. Und das hat folgende Bewandtnis:


Als unsere Familie 1985 in das Pfarrhaus in der Wehme einzog, hatten wie endlich die Gelegenheit, unserer Tochter Anne-Katrin ihren Herzenswunsch nach lebendigen Ziegen zu erfüllen. Muttertier mit Sohn waren die Ersten. Besonders der kleine Ziegenbock, genannt Nepomuk, eroberte nicht nur Annes, sondern alle Herzen der Familie. Als später die Beiden und auch die nachfolgenden Ziegen gestorben waren, blieb nur die traurige Erinnerung, aber besonders an Nepomuk, der täglich sein Knuddeln einforderte, oft ins Haus schlich und so gewissermaßen im wahrsten Sinne des Wortes zum Haustier wurde.


Krippe der St. Johannis-Kirche


Als besonderes Weihnachtsgeschenk für mich, hatte meine Frau bei Herrn Klocke einen zusätzlichen Ziegenbock in Auftrag gegeben, der nun immer in der Weihnachtszeit nicht im Arbeitszimmer, sondern in der Krippe bei seinen Freunden steht. Das Außergewöhnliche an Nepomuk ist, dass er sich mit Tier und Mensch unterhalten kann. Er hat Fragen von Maria und Joseph beantwortet, da er in meinem Arbeitszimmer kirchen - und dogmengeschichtliche Erkenntnisse erworben hatte, andererseits Fragen aus dem Pfarrhaus an die Protagonisten gestellt. Da diese Gespräche nicht unter das Beichtgeheimnis fallen, könnte später einmal etwas davon erzählt werden.


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