Neues von den Fledermäusen auf dem Kirchendach
Im Dachraum der St. Johannis-Kirche in Rahden gibt es in den Sommermonaten ein Wochenstuben-Quartier für Fledermäuse. Das sogenannte „Große Mausohr“ bevölkert dann das Gebälk des Kirchenschiffs.
Fledermäuse sind fliegende Säugetiere. Anfang Juni haben die Fledermaus-Mütter hängend im Rahdener Kirchdach ihre Jungen geboren, aufgezogen und ihnen in den folgenden Wochen im geschützten Dachraum das Fliegen beigebracht. Seit Mitte Juli fliegen mit Beginn der Dunkelheit, nach 22:00 Uhr, nicht nur die Mütter, sondern auch die Jungtiere aus, um in den Wäldern der näheren und weiteren Umgebung Nahrung zu finden.
Die Kirche in Rahden mit der Wochenstube des Großen Mausohr ist seit 2005 ein Flora-Fauna-Habitat-Gebiet, FFH, und gehört neben dem Schnakenpohl, der Großen Aue und dem Weißen Moor auf dem Rahdener Stadtgebiet zum europäischen Schutzgebietssystem Natura 2000 zum Erhalt wildlebender Pflanzen- und Tierarten und ihrer natürlichen Lebensräume. In diesem Jahr haben die zuständige Gebietsbetreuerin der unteren Naturschutzbehörde im Umweltamt des Kreises Minden-Lübbecke, Anke Schurtzmann, mit Haupt- und Ehrenamtlichen ca.50 Mütter und 50 Jungtiere gezählt.
„Welche Flugroute sie von der Kirche aus nehmen, kann man nicht genau sagen, denn die Tiere fliegen unheimlich schnell,“ erklärt Anke Schurtzmann. Im Gegensatz zu den kleineren Fledermausarten, die schon in der Dämmerung ausfliegen und sich hauptsächlich von Insekten ernähren, starten die Großen Mausohren aus dem Kirchendach erst in der Dunkelheit auf der Suche nach größeren flugunfähigen Laufkäfern auf den Waldböden, aber auch Maikäfer und Spinnen verschmähen sie nicht.
„Das Große Mausohr hat immerhin eine Spannweite von ca. 30 cm, entsprechend groß ist ihr Appetit: Pro Nacht verzehrt so eine Fledermaus mindestens 20 Käfer,“ gibt Anke Schurtzmann zu bedenken, die mit ihrem Team die Tiere des Rahdener Kirchdachs betreut. „Maikäfer haben wir in Rahden sehr viele, da könnten wir auch noch mehr Fledermäuse ernähren,“ ergänzt Pfarrerin Lena Heucher-Baßfeld.
Auf der Homepage der Kirchengemeinde gibt es Video-Aufnahmen aus diesem Sommer, als Presbyterin Brunhilde Meier und das Team um Anke Schurtzmann sich vor Ort einen Überblick verschafft und die Fledermäuse beim Ausflug gezählt haben. „Die Tiere reagieren empfindlich auf Störungen, deshalb muss man sie oben im Kirchenschiff in Ruhe lassen.“ betont Brunhilde Meier. „Geräusche wie Orgelmusik, Gesang oder auch das Glockengeläut machen ihnen aber nichts aus, daran sind sie gewöhnt!“
Im nächsten Frühjahr beginnt dann von neuem der Kreislauf des Lebens für das „Große Mausohr“, in dem das Dach der St. Johannis-Kirche eine wichtige Rolle spielt. Die werdenden Fledermaus-Mütter ziehen bis Mitte Mai ein und bereiten sich auf die Geburt der Jungen vor.
„Als vor einigen Jahren das Kirchendach erneuert werden musste, war die Sorge groß, ob die Tiere die Veränderungen akzeptieren,“ berichtet Pfarrerin Heucher-Baßfeld. „Aber die Zimmerleute haben sehr gute Arbeit geleistet,“ fügt Presbyterin Meier hinzu. „Alte Dachlatten, die den Fledermäusen vertraut waren, wurden im neuen Dach wieder montiert. So finden die Tiere ihren vertrauten Geruch und das bekannte Holz vor und nehmen es problemlos wieder an.“
Natürlich macht es auch Mühe, sich um die Tiere zu kümmern. So muss einmal im Jahr im frühen Frühjahr die Fledermaus-Wochenstube gereinigt und für den neuen Jahrgang vorbereitet werden. Das geschieht immer durch Ehrenamtliche vom NABU und Bundesfreiwillige bei der unteren Naturschutzbehörde, die Anke Schurtzmann koordiniert. Und wenn dann die Zahl der Jungtiere stabil bleibt oder sogar wächst, freuen sich alle. „Das große Dach der St. Johannis-Kirche hätte noch Platz für mehr Fledermäuse,“ sagt Pfarrerin Heucher-Baßfeld und schmunzelt, „aber sonntags ist unten in der großen Kirche beim Gottesdienst auch noch Platz.“